Vegan für den Zahn

Heute wollte Vivi von mir wissen, mit welcher Zahnpasta ich meine Zähne putze ich schicke Ihr das Foto hier:

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»Tja, leider nicht vegan!«, kommt zurück. Woher soll ich wissen, was vegan ist und was nicht? »Benutz’ doch die Codecheck-App

Ein Produkt ist nicht automatisch vegan, wenn keine tierischen Inhaltsstoffe drin sind. Bei der Entwicklung und Herstellung dürfen auch keine Tiere benutzt worden sein – etwa bei Versuchen.

Ich lade mir also die App runter. Code gescannt und die Inhaltsstoffe samt Einschätzung stehen vor mir. Und nicht nur das: Vegane Alternativen werden angezeigt.

Soll ich die Zahnpasta jetzt wegwerfen und mir morgen eine vegane besorgen? »Das würde dem Nachhaltigkeitsgedanken widersprechen«, meint Vivi. »Brauche sie auf oder verschenke sie!«

Macht ja auch Sinn. Konsumdruck auf die Hersteller baut man nicht auf, in dem man bereits Gekauftes wegwirft, sondern NICHT MEHR kauft.

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Ich spiele noch ein wenig mit der App herum und scanne so ziemlich das ganze Bad. Und mir stellen sich angesichts der roten Warnmeldungen die Nackenhaare auf wie damals, als ich im Kino »The Grudge« schaute und am liebsten rausgerannt wäre.

Wie soll jemand, der keine Vivi hat, von dieser nützlichen App erfahren? Einer, der keine Zeit und keine Lust hat, sich durch x Veganforen zu googeln?

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Murmeltiertag für Bagelesser

Bei den  Coffee Fellows im Hauptbahnhof ist es recht gemütlich. Dort war ich schon oft, hatte mich aber nie dafür interessiert, ob sie auch vegane Sachen im Angebot haben. Das will ich heute herausfinden.

Tatsächlich kann man sämtliche Kaffees auch mit Sojamilch bekommen und einer ihrer Bagels ist auch vegan. Die Mainstream-Kaffeehäuser kommen an der veganen Zielgruppe offenbar auch nicht mehr vorbei. Also bestelle ich den Avocado-Sesam-Bagel und einen Soja-Latte.

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So lecker der Bagel auch schmeckt – ich frage mich, ob ich den jetzt immer bestellen muss, wenn ich hier was essen will. Ich verlange ja nicht, dass ich mich in einem einzigen Kaffeeladen abwechslungsreich ernähren kann. Aber ein zweites veganes Gericht stünde den Kaffeekameraden schon gut zu Gesicht. Da können die Mitarbeiter das grüne Vegan-Blättchen mit noch so viel Liebe auf die Tafel malen – es ist und bleibt halt nur eine Option, wenn man tierische Produkte meiden will.

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Wenn der Kleidungskauf in die Hose geht …

Weil ich gerade so mit der Essensumstellung »ausgelastet« bin, lässt es mir Vivi durchgehen, dass ich mir eine Jeans bei Wormland gekauft habe. »Deine nächste Hose sollte aber vegan sein«, betont sie.

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Warum ist meine frisch gekaufte Jeans nicht vegan? Google schmeißt mich auf den Blog des »Lernenden Veganers«. Hier kann ich lesen, dass auch Hosen aus 100% Baumwolle nicht vegan sind, wenn sie hinten am Hosenbund ein kleines Lederschildchen haben. Hätte ich auch selbst draufkommen können! Vegansein ist so viel mehr als nur Essen.

Vegan sein ist eine nachhaltige Lebenseinstellung. Und warum sollten Veganer, die den Tierschutz im Sinn haben, Jeans kaufen, die unter widrigsten Umständen von Kindern mit Sandstrahlern auf »Used« und »Vintage« getrimmt werden?

Wenn ich also keinen Punktabzug will, muss ich rausfinden, unter welchen Umständen die Replay-Jeans produziert wurde. Journalistenmodus *an*.

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Update: Nach längerem Hin und Her nun hier die Antwort von Replay Jeans. Offenbar habe ich zufällig eine vegane Hose gekauft:

Sehr geehrter Herr Kastner,

vielen Dank für Ihre Geduld.

Bezugnehmend auf Ihr Anliegen bestätigen wir Ihnen nach Rücksprache mit der zuständigen Abteilung, dass die angefragte Jeanshose, Artikelnummer M914. 000. 661 519, vegan ist.

Die Jeans setzt sich wie folgt zusammen: 85% Baumwolle,10% Polyester,5% Elasthan.

Bei dem gekauften Modell handelt es sich um eine Slim Fit-Herrenjeans im Five-Pocket-Style. Kunstharzbeschichteter 11,5oz Denim in dunkler Waschung.

Dank der innovativen Hyperflex®-Technologie, die Lycra, Polyester und Baumwolle miteinander verbindet, leiert das Gewebe nicht aus und verformt sich nicht beim Tragen. Gleichzeitig sorgt es für absolute Bewegungsfreiheit und einen authentischen Denim-Look.

Mit Schleifpapier bearbeitete Moustache-Effekte und Falten. Ziernaht im Möwenflügel-Design auf der Tasche und kontrastierende Kordel an der Gürtelschlaufe. Finishing durch Falten in 3D-Optik.

Für alle weiteren Fragen und Informationen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Caterina  

Replay Customer Service

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Wo die Jeans hergestellt wurde, habe ich inzwischen übrigens selbst herausgefunden: in Rumänien. Auf das vermeintliche Lederetikett sind sie nicht eingegangen. Ich kann ihnen aber keinen Vorwurf machen – ich hatte schließlich auch nicht daran gedacht. Also frage ich noch mal nach.

Vielen Dank. Das freut mich zu hören.

Nur noch eine Rückfrage: Das Etikett am Hosenbund wirkt wie Leder. Ist das dann Kunstleder, wenn die Hose vegan ist?

Herzlichen Dank und viele Grüße

Steffen Kastner

Und hier die Antwort – meine Jeans ist doch nicht vegan:

Sehr geehrter Herr Kastner,

vielen Dank für Ihre Geduld.

Bezugnehmend auf Ihr Anliegen informieren wir Sie nach nochmaliger Überprüfung, dass das hintere Etikett am Hosenbund aus Leder besteht.

Aus diesem Grund bedauern wir sehr, Ihnen mitteilen zu müssen, dass es sich beim angefragten Modell nicht um eine vegane Jeans handelt.

Für weitere Fragen und Informationen stehen Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Caterina  

Replay Customer Service

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Soja auf die Bohne und schönerer Döner

Am nächsten Tag habe ich einen Termin in München-Schwabing. Bevor ich am Ostbahnhof in die S-Bahn steige, brauche ich noch eine Kaffee. Weil ich irgendwie keine Lust habe, mich durch Vanilla Bean zu klicken, frage ich Vivi schnell per Messenger, wo ich einen veganen Latte kriege. Sie schickt mir den Link zum Erbils in der Breisacher Str. 13, wo es angeblich einen super Kaffee mit Hanfmilch gibt.

Zwei Minuten später bin ich da. Inhaber Erbil schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und erklärt mit weinerlicher Stimme, dass die Kaffeemaschine leider kaputt ist. “Kein Problem, dann nehme ich einen ganz normalen Kaffee mit Hanfmilch obendrauf – muss nicht geschäumt sein.” Meine Flexibilität ist eher dem Zeitmangel geschuldet als meiner Toleranz gegenüber herkömmlicher Brühbohne.

»Leider habe ich auch keine Hanfmilch mehr.« Erbil sieht jede Chance dahin, seinen Kunden zufriedenstellen zu können und ich befürchte schon, dass er sich gleich den Gürtel aus der Hose zieht, um sich daran aufzuhängen. »Kein Thema, Soja geht auch«, beeile ich mich zu sagen.

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Nur wenig später halte ich den ersten Soja-Milchkaffee meines Lebens in der Hand und bin überrascht, dass der zwar anders schmeckt, aber nicht unbedingt schlechter. Ich hatte schon wesentlich schlechtere Kaffees mit Milch. Zufrieden geht es zum Termin.

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Etwas überrascht bin ich, als Vivi am Abend vorschlägt, am Hauptbahnhof einen Döner zu essen. »Es gibt vegane Döner?« »Ja, und im Royal Kebabhaus an der Arnulfstraße sind die sogar die Regel. Wenn Du da einen mit Fleisch willst, musst Du das extra dazu sagen.«

“Einen normalen Döner Kebap, bitte!” “Also vegan?” Der Verkäufer hat ein fettes Grinsen im Gesicht, als ich bestelle. Kurz darauf sitze ich vor meinem ersten veganen Döner, mit Seitan statt mit Fleisch.

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Auf den ersten Blick lecker. Und am Rand schön knusprig, wie sich herausstellt – exakt so, wie es bei einem perfekten Döner Kebap sein muss. Die Tomaten-Paprika-Soße passt perfekt dazu. Ich habe in München so selten wirklich gute Döner gehabt, dass ich inzwischen eigentlich der Meinung war, Türken würden die Kunst der Zubereitung verlernen, sobald sie die bayrische Landesgrenze überschreiten. Aber das hier war definitiv nicht mein letzter veganer Döner.

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Erster Versuch

Heute soll es losgehen: Ich versuche, mich einen ganzen Tag lang vegan zu ernähren. Also auf zum Rewe – noch vor dem Frühstück, denn auch die wichtigste Mahlzeit des Tages soll vegan sein.

»Entschuldigen Sie, haben Sie auch vegane Brotaufstriche?«, frage ich die Verkäuferin an den Kühlregalen. Sie wird sich ja auskennen und ich habe keine Lust, lange zu suchen.

»Aber natürlich!«, meint sie und führt mich an einen Kühlschrank. Sie streckt stolz den Arm aus, zeigt auf eine der Türen, strahlt bis über beide Ohren und da steht er: Der Quark mit Gurkenstückchen.

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»Wir haben aber noch mehr vegane Sachen«, fährt sie fort und führt mich zwei Gänge weiter zu den fleischfreien Bioprodukten. Offenbar denkt sie wie so viele vegan und vegetarisch sei dasselbe.

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Zwischen diversen Gemüsebrühen werde ich fündig: Tatsächlich stehen da ein paar Gläschen, die nach tierproduktfrei aussehen. Ich nehme den Tomate-Basilikum-Aufstrich, überfliege die Zutaten und bin mir fast sicher, dass es vegan ist. Wenn in der Zutatenliste keine tierischen Stoffe aufgeführt sind, ist es dann vegan? Müssen auch kleinste Mengen Milch oder Tiermehl angegeben werden? Ist der Begriff »vegan« eigentlich geschützt oder darf jeder das auf die Packung schreiben, wenn er bestimmte tierische Grenzwerte unterschreitet? Wer kontrolliert das? Alles merken für Google später.

Zu Hause kommt der Aufstrich auf den Toast. Es schmeckt deftiger als ich dachte. Als gewohnter Käse-Salami-Semmel-Esser hatte ich schon befürchtet, dass das Frühstück zu lasch ausfällt. Aber es schmeckt.

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30 Minuten später dann das große Fiasko: Am S-Bahnhof fällt meine Verbindung aus. Um die 30 Minuten Wartezeit zu überbrücken, gehe ich ins Cafe und bestelle mir einen –  Kakao. Dass da Milch drin ist, fällt mir erst ein, als ich ausgetrunken habe.

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Ich beschließe, trotzdem weiterzumachen und suche mir fürs Mittagessen in der Stadt den Müller aus. Ich hätte eine der Empfehlungen nehmen können, die mir die App Vanilla Bean vorschlägt, aber ich will mal schauen, was eine Mainstreamkette dem Veganer so bietet. Einfach kann ja jeder.

Bei Müller sind “Penne mit gegrilltem Gemüse” im Angebot. Klingt gut. Ich ordere und berichte meinem Vegan Buddy Vivi stolz von meinem Erfolg.

Ein Vegan Buddy ist jemand, der einen Neuling an die Hand nimmt und ihn mit Tipps und Hintergründen versorgt auf dem Weg vom Omni zum Veganer. Ich habe riesiges Glück gehabt mit meinem Buddy: Vivi ist seit drei Jahren konsequent vegan und eine unendliche Wissensquelle, was die Münchner Veganszene betrifft. Mein Ehrgeiz ist es, möglichst viel allein zu schaffen, aber wenn ich in eine Sackgasse gerate, braucht es nur einen kurzen Hinweis von ihr, der mich da rausholt.

“Scheiße”, denke ich, nachdem ich die Message an Vivi abgeschickt habe. “Nudeln werden doch mit Eiern gemacht, oder?”, schreibe ich schnell hinterher. “Nicht zwingend, Du musst nachfragen”, kommt zurück. Na super. Wieder Verkaufspersonal ansprechen.

Die Müllerin ist ausgesprochen nett. Sie sagt, sie weiß es nicht, holt für mich aber verpackte Nudeln aus dem Kühlschrank und reicht sie über den Tresen, damit ich mir das Etikett durchlesen kann. “Hartweizengries, Sonnenblumenöl.” Keine Eier. Yes. Ein veganes Mittagsmahl wartet auf mich.

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Nach dem Mittagessen schaue ich im dm vorbei, der angeblich ein ziemlich breites veganes Angebot hat. Ich entdecke vegane Nuss-Nougat-Creme und freue mich, dass ich auch Nutella ersetzen kann. Daran hatte ich bisher gar nicht gedacht. Fleisch wegzulassen ist einfach, aber immer an Milchprodukte oder die Tiere in Süßigkeiten zu denken, ist verdammt schwer. Oh Mann. Gummibärchen! Wenn es dafür keinen veganes Ersatz gibt, ist das ein Showstopper für mich. Ich mache mir eine Notiz für später. Will Vivi nicht gleich wieder nerven, auch wenn sie sehr geduldig ist mit mir.

Da es mein Lieblingsduschgel nur dem dm gibt, schaue ich auch gleich bei den Körperpflegeprodukten vorbei, um meinen Vorrat aufzufüllen. Und zu als ich mir eine Flasche schnappe, springt mir ein Logo ins Auge, dass ich in letzter Zeit ziemlich oft gesehen habe:

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Ohne es zu wissen, dusche ich seit Jahren vegan! Ein bisschen stolzer verlasse ich den dm. Trotz des kleinen Kakaofiaskos ein ordentlicher erster Tag, wie ich finde. Ich merke aber jetzt schon, dass es ganz schön anstrengend ist, Veganer zu werden, wenn man keine Vivi hat. Eine App muss her! Eine, die Vivi wenigstens teilweise ersetzen kann.

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