Erster Versuch

Heute soll es losgehen: Ich versuche, mich einen ganzen Tag lang vegan zu ernähren. Also auf zum Rewe – noch vor dem Frühstück, denn auch die wichtigste Mahlzeit des Tages soll vegan sein.

»Entschuldigen Sie, haben Sie auch vegane Brotaufstriche?«, frage ich die Verkäuferin an den Kühlregalen. Sie wird sich ja auskennen und ich habe keine Lust, lange zu suchen.

»Aber natürlich!«, meint sie und führt mich an einen Kühlschrank. Sie streckt stolz den Arm aus, zeigt auf eine der Türen, strahlt bis über beide Ohren und da steht er: Der Quark mit Gurkenstückchen.

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»Wir haben aber noch mehr vegane Sachen«, fährt sie fort und führt mich zwei Gänge weiter zu den fleischfreien Bioprodukten. Offenbar denkt sie wie so viele vegan und vegetarisch sei dasselbe.

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Zwischen diversen Gemüsebrühen werde ich fündig: Tatsächlich stehen da ein paar Gläschen, die nach tierproduktfrei aussehen. Ich nehme den Tomate-Basilikum-Aufstrich, überfliege die Zutaten und bin mir fast sicher, dass es vegan ist. Wenn in der Zutatenliste keine tierischen Stoffe aufgeführt sind, ist es dann vegan? Müssen auch kleinste Mengen Milch oder Tiermehl angegeben werden? Ist der Begriff »vegan« eigentlich geschützt oder darf jeder das auf die Packung schreiben, wenn er bestimmte tierische Grenzwerte unterschreitet? Wer kontrolliert das? Alles merken für Google später.

Zu Hause kommt der Aufstrich auf den Toast. Es schmeckt deftiger als ich dachte. Als gewohnter Käse-Salami-Semmel-Esser hatte ich schon befürchtet, dass das Frühstück zu lasch ausfällt. Aber es schmeckt.

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30 Minuten später dann das große Fiasko: Am S-Bahnhof fällt meine Verbindung aus. Um die 30 Minuten Wartezeit zu überbrücken, gehe ich ins Cafe und bestelle mir einen –  Kakao. Dass da Milch drin ist, fällt mir erst ein, als ich ausgetrunken habe.

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Ich beschließe, trotzdem weiterzumachen und suche mir fürs Mittagessen in der Stadt den Müller aus. Ich hätte eine der Empfehlungen nehmen können, die mir die App Vanilla Bean vorschlägt, aber ich will mal schauen, was eine Mainstreamkette dem Veganer so bietet. Einfach kann ja jeder.

Bei Müller sind “Penne mit gegrilltem Gemüse” im Angebot. Klingt gut. Ich ordere und berichte meinem Vegan Buddy Vivi stolz von meinem Erfolg.

Ein Vegan Buddy ist jemand, der einen Neuling an die Hand nimmt und ihn mit Tipps und Hintergründen versorgt auf dem Weg vom Omni zum Veganer. Ich habe riesiges Glück gehabt mit meinem Buddy: Vivi ist seit drei Jahren konsequent vegan und eine unendliche Wissensquelle, was die Münchner Veganszene betrifft. Mein Ehrgeiz ist es, möglichst viel allein zu schaffen, aber wenn ich in eine Sackgasse gerate, braucht es nur einen kurzen Hinweis von ihr, der mich da rausholt.

“Scheiße”, denke ich, nachdem ich die Message an Vivi abgeschickt habe. “Nudeln werden doch mit Eiern gemacht, oder?”, schreibe ich schnell hinterher. “Nicht zwingend, Du musst nachfragen”, kommt zurück. Na super. Wieder Verkaufspersonal ansprechen.

Die Müllerin ist ausgesprochen nett. Sie sagt, sie weiß es nicht, holt für mich aber verpackte Nudeln aus dem Kühlschrank und reicht sie über den Tresen, damit ich mir das Etikett durchlesen kann. “Hartweizengries, Sonnenblumenöl.” Keine Eier. Yes. Ein veganes Mittagsmahl wartet auf mich.

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Nach dem Mittagessen schaue ich im dm vorbei, der angeblich ein ziemlich breites veganes Angebot hat. Ich entdecke vegane Nuss-Nougat-Creme und freue mich, dass ich auch Nutella ersetzen kann. Daran hatte ich bisher gar nicht gedacht. Fleisch wegzulassen ist einfach, aber immer an Milchprodukte oder die Tiere in Süßigkeiten zu denken, ist verdammt schwer. Oh Mann. Gummibärchen! Wenn es dafür keinen veganes Ersatz gibt, ist das ein Showstopper für mich. Ich mache mir eine Notiz für später. Will Vivi nicht gleich wieder nerven, auch wenn sie sehr geduldig ist mit mir.

Da es mein Lieblingsduschgel nur dem dm gibt, schaue ich auch gleich bei den Körperpflegeprodukten vorbei, um meinen Vorrat aufzufüllen. Und zu als ich mir eine Flasche schnappe, springt mir ein Logo ins Auge, dass ich in letzter Zeit ziemlich oft gesehen habe:

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Ohne es zu wissen, dusche ich seit Jahren vegan! Ein bisschen stolzer verlasse ich den dm. Trotz des kleinen Kakaofiaskos ein ordentlicher erster Tag, wie ich finde. Ich merke aber jetzt schon, dass es ganz schön anstrengend ist, Veganer zu werden, wenn man keine Vivi hat. Eine App muss her! Eine, die Vivi wenigstens teilweise ersetzen kann.

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One thought on “Erster Versuch

  1. Pingback: Auf Bärenjagd | VeganBuddy

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